Mi. 30.09. um 19:30 Volksbühne im Prater, Berlin
Tal der fliegenden Messer, Ruhrtrilogie Teil 1 von René Pollesch
„Es kann nicht darum gehen, dass in meiner Stimme eine historische Wahrheit zum Ausdruck kommt! Nein, man muss aus anderen Gründen auf diese Stimmen hörn. Weil sie d a sind! Weil sie die Wirklichkeit prägen.“
Wir können jetzt weiter heucheln, dass uns die andern Leben berührn… Aber die Frage ist, wo berührn sie uns wirklich, also politisch, und nicht immer nur da, wo wir gezwungen sind, uns einen Plan unserer Gemeinsamkeiten zu erzählen. Eine Wahrheit vom Menschen zum Beispiel, die wir alle teilen sollen. Die Freiheit könnte darin liegen, nicht wahr sein zu müssen.
„Wo haben wir mit den anderen zu tun? Diese Frage will eine sentimentale Sorte von Sozialismus immer damit lösen, dass wir nur bessere Menschen sein müssen“. (Dietmar Dath) Aber wir sind schon gut genug. Gleichgültigkeit und Interessenlosigkeit sind vielleicht eine legitime Verteidigung gegen Vorstellungen von Gemeinsamkeiten, die uns aber vor allem trennen. Vielleicht ist es gut, kein Interesse aneinander zu haben, vielleicht ist das kein Verlust, sondern das Vernachlässigen der Punkte, an denen wir uns nur moralisch und psychologisch berühren, und nicht dahin sehn, wo unsere Leben wirklich miteinander zu tun haben. Vielleicht ist es gut, was die Meinhof sagt: „Frauen, die keine Frau haben, die ihre Kinder erzieht, haben es schwer, schwer, unheimlich schwer.“ Sie sucht den Punkt, wo die Frauen nicht immer mit den Typen zu tun haben sollen, nur weil die mit ihnen eine Familie gegründet haben. „Der Typ hört sowieso immer weg“. Und sie spricht auch nicht von der Berührung mit ihren Kindern. Wo berühren sich unsere Leben wirklich, und nicht immer bloss in dem blöden Melodram, das wir uns erzählen müssen… (more…)